Der Golferellenbogen (Epicondylitis)

Ellbogenprobleme beim Golfsportler aus Sicht der Osteophatischen Medizin

Ellbogenschmerzen entstehen bevorzugt bei Sportarten, bei denen der Unterarm mit Greif-, Rotations- und Beschleunigungsbewegungen zum Einsatz kommt. Die immer wiederkehrende Ausführung dieser komplexen Bewegungsabfolgen führt dazu, dass eine besondere Beanspruchung der Unterarmmuskulatur, bzw. deren Ursprungs- und Ansatzsehnen, erfolgt.

Sportarten, auf welche dieser Bewegungsablauf insbesondere zutrifft, sind Squash, Golf und Tennis. Bei einer Sehnenmuskelreizung des äußeren Ellbogenbereiches spricht der Mediziner vom Tennisellbogen (Epicondylitis humeroradialis), bei einer Sehnenmuskelreizung des inneren Ellbogenbereiches vom Golferellenbogen (Epicondylitis humeroulnaris).

Beim Golferellenbogen sind die anatomischen Strukturen im inneren Ellbogengelenksbereich gereizt, bzw. entzündet. Diese sind die Sehnen der Beugemuskeln des Handgelenks und der Fingerbeugemuskulatur. In unmittelbarer Nähe des entzündeten Sehnen-Kapsel- Areals läuft hier auch ein Nerv zur Versorgung der inneren Hand und des inneren Unterarms (Nervus ulnaris), der bei ausgeprägter Problematik mit gereizt sein kann. Dies führt dann zu einer Schwäche der Fingerbeugemuskulatur und zu Pelzigkeitsgefühlen des kleinen Fingers und des Ringfingers. Dieser Verlauf ist als Komplikation des Golferellenbogens zu betrachten und wird als „Sulcus ulnaris Syndrom“ bezeichnet.

Bei länger bestehenden Problemen über vier bis fünf Monate, spricht man von einer „Chronifizierung“.

Das übliche therapeutische Vorgehen ist geprägt durch lokale Maßnahmen. Dies können Spritzen an die Sehnen, Kapseln, Knochenansätze, mit oder ohne Kortisonzusatz, sein. Kälte- (bei akutem Geschehen) und Wärmeanwendungen (bei chronischem Verlauf) kommen ebenso zum Einsatz wie Dehnungsmaßnahmen der Sehnen und Muskeln. Aber warum können Ellbogensehnenentzündungen chronifizieren und warum sind sie so schwer zu behandeln?

Um diese Frage sinnvoll beantworten zu können, lohnt sich ein weiterer Blick auf die Neuroanatomie: Die gesamte nervliche Versorgung des Armes entspringt auf Rückenmarksebene der Halswirbelsäule aus den Segmenten C 5 bis C 8. Damit bezeichnet man die Spinalnerven, jene Nerven die direkt aus dem Rückenmark entspringen. Sie versorgen nicht nur Muskeln, Sehnen, Knochen und Blutgefäße der Arme, sondern – durch ihre Ausläufer – auch innere Organe des Brustkorbs. Das bedeutet, dass die nervliche Grundlage für den Tennis- oder Golferellenbogen auf Rückenmarksebene in Teilbereichen die gleiche ist, wie jene der Lunge, der Bronchien oder des Herzens. Sogar die Haut der entsprechenden Regionen wird durch die gleichen Spinalnerven innerviert. Das bedeutet, dass, unabhängig von der weiteren Verzweigung von Nerven in der Peripherie, die nervliche Versorgung auf Rückenmarksebene eine gemeinsame „Software“-Grundlage hat. Vor diesem Hintergrund ist die chronifizierte Ellenbogenerkrankung des Golfers oder Tennisspielers unter einem anderen – als dem rein sportmedizinisch-orthopädischen – Licht zu betrachten.

Gründe für eine Chronifizierung: Eine der häufigsten Ursachen für eine Chronifizierung eines Golf- oder Tennisellbogens und somit für die Wirkungslosigkeit der lokalen Therapiemaßnahmen, ist eine Blockierung der Halswirbelsäule in den Segmenten der Halswirbelkörper 5 bis 7. Diese führt zu einem Dauerreizzustand auf Rückenmarksebene der betroffenen Spinalsegmente und verhindert somit eine Ausheilung der Sehnen-Kapsel-Reizung am Ellbogen. Ein Durchbruch in der Therapie des chronischen Geschehens kann somit erst durch osteopathische Lösung der Halswirbelsäulenblockierung erreicht werden. Weniger häufig, aber auch nicht selten, ist das Zugrundeliegen einer Lungen-, Bronchien- oder Herzerkrankung (evtl. auch Fascienverklebungen), welche auf Rückenmarksebene – man bedenke die Gemeinsamkeit des Spinalnervensegments – eine Grundlage für eine erhöhte Spannung der Muskel-Kapsel-Sehnen-Strukturen des Armes schafft. In solchen Fällen kann nur die osteopathische Diagnostik beim Spezialisten Klarheit bringen und zu fachgerechter Behandlung des Golf- oder Tennisellbogens führen.

Dr. Caroline Klann
Doctor of Medicine
(Univ. Shandong/Univ. Guangxi)
Akupunktur München - TCM München - Osteopathie München